Berlin ist ein Dorf

Frühstück: Speed-Bunny hat mir beim inzwischen vielfach besungenen Jogmapper-Treffen versichert, ich müsse mich nicht mit zwei Scheiben Toast zufrieden geben, es dürften auch Brötchen sein. Was ein Glück! Schon in Laufklamotten zum Bäcker gesaust – der hat noch zu. Durch ein offenes Fenster mein Dilemma erklärt (Ich brauche Brötchen! Jetzt gleich! Ich muss LAUFEN, ich bin so AUFGEREGT!), da hat die Bäckereifachverkäuferin ein Einsehen und reicht mir ein Mohn- und ein Sesambrötchen durchs Fenster.

U-Bahn-Fahrt: Der Kollege steht wie abgesprochen im zweiten Wagen, ich steige zu. Umsteigen klappt, doch an der Eisenacher Straße: tinadoro, meine liebe Sonntagslauffreundin, steht nicht da. Das kann eigentlich gar nicht sein. Der Kollege lässt sich überreden, auszusteigen und die nächste Bahn abzuwarten, doch tinadoro kommt nicht. Ich bin erschüttert, das sieht ihr gar nicht ähnlich! Sehr verwundert fahren wir mit der nächsten Bahn weiter.

Dixie-Schlange: Kleiderbeutel abgeben, den extra für tinadoro maßgeschneiderten Müllsack dem Kollegen überlassen und auf geht’s, die vermeintlich kürzeste Dixie-Schlange zu finden. Und, welche Überraschung: Hurra, da steht sie in der Schlange! Kaum zu glauben, dass es möglich ist, hier irgendwen zu finden. Das Missverständnis mit der U-Bahn wird aufgeklärt und wir machen uns auf zum Startblock E.

Kurz nach dem Start: Noch ein bekanntes Gesicht, Inumi! Wie schön, dich auch zufällig im Gewühle zu sehen, und genau wie du gesagt hast, wie schön, endlich ein Gesicht zum Blog zu kennen.

Brandenburger Tor: Tolle Kulisse, durchs Brandenburger Tor zu laufen. Und direkt davor mein Kleinstfanblock: meine Freundin Silke, die mir schon beim Asics Grand 10 zugejubelt hat. Wie nett, dass sie extra gekommen ist. Danke!

Am 17. Juni: Wie wunderbar, ich werde angefeuert, da stehen WWConny, renbueh und Schalk! Danke, das ist toll, ich freu mich, dass ich die drei gleich entdeckt habe. Ach Quatsch, die sind einfach nicht zu überhören!

Am Kudamm: Diese kleine rothaarige Frau dort… das könnte sie sein… Ich pirsche mich heran, schau sie von der Seite genauer an, und sie ist es: Stachel! Wie schön, dich unterwegs zu treffen. Nach ein paar freundlichen Sätzen laufe ich weiter, denn ganz offensichtlich habe ich die Zeit nicht ganz richtig eingeteilt, und noch jede Menge Reserven, die so langsam mal raus müssen.

Am Wittenbergplatz: Erst sehe ich tinadoros Familie mit einem Banner, wie schön. Und dann wird wieder mir zugejubelt von zwei Freundinnen, die bestimmt schon ewig drauf warten, dass ich endlich komme, denn der erste, den sie angefeuert haben, war schon nach 1:30 im Ziel. Aber sie haben ausgeharrt und ich freu mich so, sie zu sehen. Am Getränkestand stoßen tinadoro, mein Kollege und ich mit einem Becher Wasser auf tinadoros 1000. Kilometer an, der genau hier vollendet wird. Und auf den Halbmarathon natürlich. Und auf weitere tolle Läufe. PROST! Es geht immer noch leicht, es ist einfach wunderbar. Wir können sogar noch ein Zähnchen zulegen.

Kurz vor der Zielgeraden: nochmal Renbueh, Schalk und WWConny – diesmal haben sie mich zuerst gesehen, sie rufen „yazi!“ – ich bin gerührt und bekomme Gänsehaut. Namentlich zugejubelt zu bekommen, verleiht wirklich Flügel! Und überhaupt, das war Spitzenjubeln, ihr seid die Anfeuerungsköniginnen und -könig!

Noch kürzer vor dem Ziel: Jetzt gebe ich wirklich Gas, ich überhole viele Läuferinnen und Läufer, die sich ihre Kraft vielleicht gleichmäßiger und damit sinnvoller eingeteilt haben. Egal, überholen macht Spaß! Und da steht noch einmal Silke und ruft und winkt, ein letzter Endspurt, da ist das Ziel, die Matten fiepen, ich laufe noch ein ganzes Stück aus, bevor mir einfällt, die Uhr anzuhalten. Egal, die Zeit ist viel besser, als ich fürs erste Mal gehofft hätte (zu Hause im Internet lese ich dann genau nach: 2:17:08 – ich bin total glücklich).

Nach dem Ziel: Chip losbinden, Medaille entgegen nehmen, tinadoro ist auch schon da, und ganz kurz darauf auch der Kollege. Banane, lecker. Ich mag aber kein Wasser mehr trinken, ich will alkfreies Erdinger! Gibt’s auch gleich da hinten. Dann treffen wir Laufnad, die sehr begeistert ist und weiter hinten an den Kleiderlastern auch noch Vic97. Toll! Ein Wahnsinnserlebnis, und was ich am bemerkenswertesten fand, wie leicht es war, in diesen Massen so viele nette Menschen mehr oder weniger zufällig wieder zu treffen. Unglaublich, aber dass Berlin ein Dorf ist, ist ja bekannt.

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