Hase und Igel beim Halbmarathon

Ein etwas zu lang geratener Bericht mit drei Vor- und zwei Abspännen (was war da noch mal der richtige Plural?) geschrieben unter dem Einfluss von literweise Endorphin, oder was immer da vor ein paar Stunden so ausgeschüttet wurde…

Vorspann Teil 1: Hibbeln? Was ist das?
Mit fast schon leisem Bedauern kommt es mir bis Mittwoch vor, als wäre der dritte HM schon gar kein Grund zur Aufregung mehr. Aber denkste…

Vorspann Teil 2: HIBBEL!!!
Am Donnerstagabend nach dem Messebesuch mit dem Hasen geht es los mit einem heftigen hypochondrischen Anfall: es kratzt im Hals, ich huste und niese (nein, ich bin nicht allergisch). Eimerweise Kräuter- und Ingwertee werden in den kratzenden Hals geschüttet, kiloweise Obst verdrückt. Wegen der Vitamine. Nachts träume ich von zwei verschiedenen Schuhen und rutschenden Socken an den Füßen, ich weiß nicht, wohin mit dem Kleiderbeutel und der Start ist auch nirgendwo zu finden. Grau-en-haft!

Besser wird es erst bei dem wirklich sehr schönen Jogmapper-Treffen in der Villa Kreuzberg am Samstagabend. Wir füllen einen ganzen Nebenraum. Der Kellner wundert sich über die Mengen an alkfreiem Weizen, die bestellt werden. Laufnad hatte die geniale Idee Namenschildchen mit Nick- und Echtname zu basteln – das ist prima, denn so bekommen einige Nicknames, die sich schon so lange bekannt anfühlen, endlich Gesichter. Danke, Nadine, das war super. Es macht Spaß mit euch allen und danach geht es mir viel besser.

Vorspann Teil 3: Anreise
Den Hasen treffe ich wie verabredet in der U-Bahn. Eigentlich geht der HM schon dort los, ich mag dieses erkennende Grinsen der zahlreichen Kleiderbeutelträger. Ab Alexanderplatz sind dann Massen von Läuferinnen und Läufern unterwegs, alle scheinen mir gut gelaunt, sogar das Anstehen am Dixie-Klo ist vergnüglich. Im Startblock E erfahren wir, dass in zwei Etappen gestartet wird, zuerst A-D, dann E. Das gäbe mir Gelegenheit nochmal schnell… Soll ich? Ich war doch eben erst. Aber jetzt sind die Dixies praktisch schlangenfrei. Also los, bevor es losgeht. Nachdem uns schon hier die Sonne auf die Köpfe knallt, finde ich es ja fast unhöflich, dass der Moderator dauernd von dem tollen Wetter schwärmt. Dann geht es tatsächlich los, Block E rückt an die Startlinie vor, es wird noch einmal runtergezählt…

Uuuuuund: Action!
Der Hase hat die Oberhoheit über die Zeit, ich vertraue ihm da voll und ganz und linse kaum mal verschämt auf die eigene Garmine. Ziel ist ungefähr 1:58 (also auf jeden Fall unter 2:00), das auch noch mit negativem Split, da ist der Hase ganz wissenschaftlich. Es läuft gut, die Stadt ist schön, Publikum ist auch da. Vor der Siegessäule steht unser Supporter, jubelt und macht Fotos. Später denke ich mir, wir sollten ihm nächstes Mal noch Getränke mitgeben. Aber zujubeln ist auch toll. Es ist einigermaßen weit bis zum ersten Wasserstand. Ab da schütte ich immer einen Becher Wasser über mich und einen rein. Wobei das mit dem Trinken im Laufen noch Verbesserungspotential hat. Ich bin verblüfft, wie schnell die erste Hälfte vorbei ist, dann ist da auch schon der Kudamm. Ich kündige dem Hasen an, dass ich gerade mal nicht beschleunigen möchte, der ist ganz verständnisvoll und meint, wir liegen gut in der Zeit. Seine Familie steht am Kudamm-Karree, alle jubeln, bis auf Töchterchen, die verschläft Papas Auftritt leider.

An der Urania steht der Supporter auf der falschen Seite, jubelt aber auch wieder vorbildlich. Am Potsdamer Platz sehe ich den ersten schockgelagerten Läufer auf dem Mittelstreifen, dem gerade 1. Hilfe geleistet wird. Es wird nicht der letzte sein, den wir sehen. Vor uns läuft eine Sebamed-Flasche. Boah, was sie dem wohl zahlen, dass er das Ding mit sich rumschleppt? Dann eine ganz große Überraschung: Der Schalk! Eigentlich lauert er strider auf; als wir ankommen ist er sicher, sie verpasst zu haben. Dann begleitet er eben uns das letzte Stück (das geht bei dem so: Zieleinlauf, Chip in den Kleiderbeutel und gegen den Strom zurück, dann die letzten drei Kilometer nochmal). Bekloppt! Und sooo klasse – da er sich auskennt, glaube ich ihm, dass es nicht mehr weit ist. Mit zwei Pacemakern fühle ich mich sehr privilegiert. Bei km 19 verkündet der Hase, wir befänden uns im Landeanflug, das Rauchen und Quatschen sei jetzt mal einzustellen. Die beiden ziehen das Tempo an, der Hase versichert dem Schalk, das würde ich schon aushalten, und da ich nicht protestiere, glaubt der es auch. Die Geschwindigkeit ist genial, ich schnaufe, habe aber nie das Gefühl, es nicht schaffen zu können. Die letzte Kurve, das Ziel ist in Sicht, die letzten Meter… geschafft!!! Das Hase-und-Igel-Team hat sein Ziel erreicht, 1:58:14. Hurra! Danke Hase, Danke Schalk!

Abspann Teil 1: Nackte Frauen, doofe Kellner
Kurz hinter dem Wasserstand (WASSER!!!) treffen wir strider, die fast gleichzeitig angekommen sein muss. Es gibt Bananenstücke und den Erdingerstand. Ein besonderes Erlebnis sind die Duschzelte. Ich war noch nie in einem, weil ich ja hier wohne und nach den bisherigen Läufen einfach nach Hause gefahren bin. Aber wir sind ja noch im Brauhaus verabredet, also gehe ich mit strider (viel erfahrener und besser ausgerüstet: Badelatschen!!!) ins Duschzelt. Es ist voll, wird aber gleich noch viiieeel voller werden. Wir sind glücklicherweise genau in dem Moment da, als die Schlangenbildung vor der Duschhälfte erst einsetzt – hinter uns eine lange Reihe nackter Frauen in allen Formaten und Altersklassen. Das sieht sehr nett aus. Von oben plätschert angenehm warmes Wasser, aber so dünn, dass ich froh bin, kein Shampoo dabei zu haben, das man mit dem Strahl sowieso nicht richtig rausgewaschen bekäme.

Schalks 1a-Logistik führt uns wieder zusammen und auf den Weg ins Brauhaus (unterwegs sammeln wir noch renbueh und inumi ein), wo schon ein großer Tisch mit Jogmappern besetzt ist. Leider verhindert der Kellner ein etwas geselligeres Arrangement der Tische. Er möchte einfach nicht, dass wir Möbel rücken, auch wenn wir sie nicht in seine Einflugschneise stellen würden. Dann halt nicht. Jetzt ist es dringend nötig, was zu trinken und zu essen und eine erste Nachbereitung auszutauschen. Den meisten war es sehr zu heiß, so dass die Erwartungen nicht so ganz oder auch gar nicht erfüllt wurden. Ich bin etwas gehemmt, weil ich das superbreite Grinsen nicht aus dem Gesicht bekomme. Leute: das war nicht mangelndes Mitfühlen, ich konnte es in dem Moment halt nicht so zeigen.

Abspann Teil 2: Völlig verpeilt – oder: aktive Regeneration
Noch im Brauhaus zuckt von schräg hinten ein Gedanke ins hitzegeschädigte Gehirn: Morgen ist Montag. Na und? Morgen muss ich nicht ins Büro, sondern zum Kunden. Waaaah!!! Ich habe am Freitag vor lauter HM-Fieber das Notebook im Büro gelassen. Heißt: ich werde mich zu Hause nicht gleich aufs Sofa werfen, sondern erstmal aufs Rad schwingen und die Ausrüstung holen gehen. Zum Glück ist es nicht weit, aber den Weg hätte ich lieber gespart. Egal, zur Belohnung kehre ich auf dem Rückweg noch in die Eisdiele ein und bestelle mir ein großes Eis mit viel Sahne.

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