Beim Biomechaniker

Seit Jahren zickt das Fahrgestell immer mal wieder, und immer rechts – mal ITBS, mal das Wadenbein, und letztes Mal die Plantarsehne. Die Orthopädin empfiehlt eine biomechanische Laufanalyse. Erst bin ich skeptisch, denn mich hat schon einmal ein Kollege von ihr zu so einem orthopädischen Schuhladen aufs Laufband geschickt, und das war sehr überflüssig, dabei kam nämlich gar nichts raus („Ah, Sie tragen Neutralschuhe. Ja, das können Sie machen. Wir können Ihnen aber auch Einlagen anfertigen. Ob die helfen, ist schwer zu sagen“). Aber die Orthopädin meint, dass so jemand natürlich immer ein Interesse dran habe, mir Einlagen zu verpassen und deshalb vielleicht andere Dinge sieht als der Biomechaniker. Ich beschließe, es zu versuchen. Wahrscheinlich heißt das eigentlich anders, aber an der Tür zu seinem Sprechzimmer steht Biomechanik, dann wird das wohl ein Biomechaniker sein, der mein Fahrgestell begutachtet.

Er begrüßt mich und bespricht erstmal den Fragebogen, den ich vorher ausfüllen musste: Laufgeschichte, -umfänge, -beschwerden, -pläne usw. Dann kommt der praktische Teil, und der geht erstmal ganz analog los. Ich sollte in kurzer Laufhose und Laufshirt antreten, vorläufig noch barfuß. Zuerst werde ich auf die Liege gebeten. In Rücken-, Bauch- und Seitenlage wird an mir rumgebogen, gedreht und gezogen. Fies ist, in Seitenlage das obere Bein anzuheben und gegen den Druck des Fachmanns oben zu halten. Klappt links schlecht, rechts gar nicht. Oha, da fehlt’s aber tüchtig an Kraft.

Danach darf ich barfuß über eine sehr kurze Tartanbahn gehen und abwechselnd mit dem linken und danach mit dem rechten Fuß eine Glasscheibe treffen. Der Fachmann glaubt, schon etwas zu sehen, ich soll aber nochmal. Zur Belohnung darf ich bunte Fußabdrücke auf seinem Monitor anschauen. Der rechte zeigt ein kleines bisschen nach innen.

Als nächstes werden mir mit schwarzem Edding Punkte aufs Knie gemalt und es geht es aufs Laufband. Zuerst barfuß gehen. Das kann ich. Total unauffällig. Dann barfuß laufen, dann mit  Laufschuhen. Ich habe meine beiden Lieblingspaare mitgebracht, und sie kommen nacheinander beide zum Einsatz. Nach dem Schuhwechsel fordert der Biomechaniker mich auf zu lauschen, ob mir etwas akustisch auffällt. Jetzt wo er es sagt: die Füße klingen unterschiedlich. Der Linke tapst mehr. Komisch. Die Auflösung darf ich wieder am Bildschirm bestaunen. Die Superzeitlupe sieht erstmal klasse aus, als könnte ich schweben. Schön wärs.

Das Ergebnis ist aber wirklich interessant: mein rechtes Knie schielt, d.h., es guckt leicht nach innen, dadurch, wird mir erklärt, würde das linke Bein funktionell kürzer und tapst deshalb aus größerer Höhe auf den Boden. Auch wenn das derzeit keine Beschwerden macht, bunte Kurven zeigen, dass es wesentlich mehr Last abbekommt (in der Übersetzung für die Laiin ca. ein Kilo pro Schritt). Das nach innen kippende rechte Bein bekommt durch den Knick ständig verstärkten Zug aufs Iliotibialband und eine Verwringung in der Ferse. Kein Wunder, dass da immer mal Überlastungen auftreten.

Und jetzt das Beste: der Mann weiß Abhilfe. Die Hüftmuskulatur muss gestärkt werden, damit das Bein gerade gehalten wird und nicht mehr nach innen kippt. Er zeigt mir auch gleich drei Übungen, die ich regelmäßig machen soll. Die ausgedruckten Bilderchen, eine schriftliche Auswertung und ausführliche Übungsanleitungen bekomme ich mit. Mit guten Wünschen für viel Spaß und Erfolg mit dem nächsten Trainingsplan werde ich verabschiedet. Das war mal eine gute Aktion, zumindest fühlt es sich gut an, etwas sinnvolles tun zu können, um hoffentlich künftig weniger in Überlastungen reinzustolpern. Bin gespannt, ob das so funktioniert, wie der Biomechaniker sagt. Die ersten Übungen sind jedenfalls absolviert.

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