Laufen auf Reisen – Glastal

Während in Berlin Sommer ist, kommt hier im Süden so viel Wasser von oben, wie ich seit Jahren nicht gesehen habe. Vor ein paar Tagen haben wir die Alb überquert, ein Lauf stand auf dem Plan, der sollte durchs schöne Glastal führen.

Titouli, der im Gasthof Friedrichshöhle auf mich warten will, wird erstmal wieder weggeschickt. Eine Busladung Gäste hat den ganzen Laden reserviert, so dass er nach Zwiefalten in ein Café ausweichen muss. Da es im Gasthof aber durchgehend warme Küche gibt, sind wir für nach der Touristeninvasion wieder hier zu einem späten Mittagessen verabredet.

Mit Käppi und Regenhaut starte ich in den Nieselregen. Eine alte Kastanienallee führt zu Schloss Ehrenfels, einem schön gelegenen Barockbau, den sich der Abt von Zwiefalten im achtzehnten Jahrhundert als Sommerresidenz hinstellen ließ. Der Weg führt um das Anwesen herum, kurz darauf biege ich ins Glastal ab. Der Name stammt von einer Glashütte, die es hier irgendwann einmal gab. Der Nieselregen lässt nach, und ich binde mir die Regenjacke um die Hüfte. Das Glastal führt zwischen steilen Felswänden an ein paar Höhlen vorbei, es soll gerade im Sommer sehr schön kühl und schattig sein. Was für die aktuelle Wetterlage eher irrelevant ist. A propos Wetter, ein gleichmäßiger Regen setzt ein. Mir egal, ich bin schließlich auch größtenteils aus Wasser und vom Laufen schon gut aufgewärmt. Das Glastal ist zwar sehr romantisch aber leider viel zu kurz.

An der Hayinger Brücke laufe ich Wanderweg Nr. 1 nach. Keine Ahnung wohin, heute habe ich keinen Track auf der Garmine und das Telefon findet kein Netz, so dass mir auch Googlemaps nicht weiterhilft. Wie entscheidet die entschlossene Läuferin in so einem Fall? Bergauf natürlich. Die Gegend ist gewellt, auf den Wiesen zwischen den Waldstücken stehen die typischen Wacholderbüsche herum. Schön sieht das aus. Es regnet. Wanderweg Nr. 2 biegt in einen steilen Waldweg ein, den nehme ich. Irgendwann wird der Weg wieder flacher, er führt aus dem Wald heraus, wieder Wacholderheide und ein paar Felder. Auf einem wächst ein dünnes Getreide, das ich nicht kenne, ein Schild erklärt, dass das ein Forschungsprojekt ist, irgendwas mit Diversität oder so.

Ich laufe, was ich für einen weiten Bogen halte, um irgendwann wieder an der Hayinger Brücke zu landen. Erfreulicherweise erkenne ich irgendwann Wanderweg Nr. 2 wieder, ab da nehme ich einfach denselben Weg zurück. Aus dieser Richtung macht das Glastal nochmal mehr her als auf dem Hinweg. Die Felswände sind spektakulärer und jetzt finde ich auch die Glashöhle, die ich vorhin übersehen habe. Der Eingang sieht aus wie ein etwas schlecht gelaunter Mund. Kurz vor Talende kommt eine Schulklasse auf Wandertag entgegen. Sie tragen bunte Schirme und/oder Regenjacken und als die meisten freundlich Hallo rufen, bin ich doch ein wenig verblüfft. Keine blöden Bemerkungen oder spöttisches Anfeuern? Klar, uns haben sie damals auch beigebracht, allem, was spazierend oder wandernd daher kommt, ein freundliches „Grüß Gott“ entgegen zu schmettern, aber nach fast dreißig Jahren Berlin überrascht es mich doch, dass es das so ähnlich noch gibt.

Am Talausgang begegne ich noch ein paar Schafen, die ebenfalls freundlich blöken. Schloss, Kastanienallee, Wimsener Höhle (wenn es sehr heiß ist, ist die ebenfalls eine Empfehlung), schon ist das Ziel erreicht. Und das ist jetzt mal eine echte Empfehlung, Gasthof Friedrichshöhle, die kochen allerbeste Regionalküche, Forellen aus der Öko-Forellenzucht, Fleisch von glücklichen Alb-Kühen, und alles köstlich zubereitet. Schnell ziehe ich mir trockene Sachen an – das späte Mittagessen habe ich ja sowas von verdient!

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