Laufen unterwegs – Feierabend in Dortmund

Die Vorbereitungen für den nächsten Tag, an dem mein Kurs erst beginnt, dauern nicht lange, um halb fünf habe ich auch alle E-Mails bearbeitet und kann Feierabend machen. Um zehn vor fünf bin ich im Hotel und wechsle von Business- in Laufklamotten. Leider hat Garmine die zuvor ausgetüftelte Strecke nicht entgegen genommen, weder zu Hause noch jetzt mit dem Arbeitsrechner. Grummel. Dann muss eben die gpsies-App ran, was nur die zweitbeste Lösung ist, denn das Fon trage ich nun mal nicht um den Arm, sondern in einem Gürtelumschnalltäschchen, und das Rausfummeln ist eher lästig.

Das Hotel liegt am Königswall, der Ringstraße, die alle paar Hundert Meter den Namen wechselt. Mit Straßenschildern ist Dortmund übrigens eher sparsam, es gibt viele Ecken, wo die ortsfremde Läuferin ganz schön suchen muss. Es geht also auf dem Wall entlang bis zur Geschwister-Scholl-Straße, stadtauswärts unter einer Bahnlinie durch und gleich wieder rechts in die Güntherstraße.

Die geht in einen Fußweg über, der zwischen einem zerfallenden Industriegebäude und einem hohen Zaun verläuft, hinter dem ein Hund unfreundlich bellt. Dann wieder Straße, und dann kommt ein echtes Highlight urbaner Laufstrecken: eine Treppe führt nach oben auf einen stillgelegten Bahndamm, auf dem ein Lauf- und Spazierweg als grüne Linie in einem schönen Bogen mitten durch die Stadt führt. Die Vöglein zwitschern, Hunde werden ausgeführt – alle ganz friedfertig, manche setzen sich auch brav neben Frauchen, bis die Läuferin vorbei ist. Ein echtes Idyll. Am Ende bin ich ganz enttäuscht, dass schon Schluss ist, zumal es auch wieder Fon-Gefummel und kurz planloses Rumstolpern braucht, bis ich die Fortsetzung finde: eigentlich brauche ich nur ein Straßendreieck queren, da geht der tolle Bahnlinienspazierweg weiter. Dieses Mal verläuft er nicht auf dem Damm, sondern in einem Tal, auch sehr schön. Ein Stück vor mir läuft eine Frau, sie ist ein kleines bisschen schneller unterwegs und entfernt sich langsam.

Die zuvor ausgetüftelte Abzweigung verpasse ich, aber das macht nichts, mithilfe des Fons finde ich die Emscher, an der entlang ich in den Westfalenpark laufen will. Der Plan ist nicht schlecht, ich finde auch einen Eingang, aber der Kassenautomat nimmt meinen Laufhosen-Notfall-Fünfer nicht an. Ich drehe und wende ihn mehrfach in alle Richtungen, versuche die Knicke zu glätten, aber es hilft nichts, vielleicht wurde er schon zu oft mitgewaschen. Weit und breit kein Mensch, den ich um Wechselgeld anhauen könnte. Egal, dann eben ein Stück zurück und über eine Emscherbrücke aufs Südufer. Hier ist es auch schön, die Emscher rauscht sogar ein wenig. Ein Läufer kommt entgegen, wir nicken einander zu. Als der Weg an einem großen Parkplatz endet, muss ich halt den Westfalenpark auf der Straße umrunden, auch nicht schlimm.

Selbst, als es dann an der sehr befahrenen Ruhrallee entlang wieder stadteinwärts geht, macht mir das gar nichts aus. Naja, ich verlasse sie dann doch recht bald wieder und suche mir einen Weg durch kleinere Seitenstraßen. Zum Schluss geht es noch einmal mitten durch die Altstadt. Inzwischen bin ich sehr hungrig, und mir fällt auf, dass die Dönerbudendichte gigantisch ist. Ehrlich, so viele Dönerläden gibt es nicht mal am Kottbusser Tor. Aber jetzt gibt’s noch nichts, erstmal kurz ins Hotel laufen, dehnen, duschen, anziehen. Dann habe ich mein Abendessen aber auch verdient. Es war übrigens kein Döner.

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