Ausflug nach Butrint

Das junge Paar aus Fier muss abreisen, weil sein Boss ihn aus dem Urlaub zurückbeordert hat. Er ist Zahntechniker. Die Frau sieht ziemlich geknickt aus, alle fühlen mit ihnen. Sie nehmen uns mit in die Stadt, denn wir sollen mittags den bei Tirana-Car-Rental gebuchten Leihwagen vom Hafen abholen. Nur Minuten, nachdem wir uns verabschiedet haben, steht plötzlich Iliri vor uns, der auch noch mit den beiden verabredet war. Vor Energie sprühend wie immer, hat er die Idee, für uns anzurufen und den Wagen gleich bringen zu lassen. So passiert es, und wir sind sehr froh, dass er uns bei den Formalitäten hilft, denn mit dem Englisch des Überbringers ist es nicht weit her. Das Auto ist ein oller KIA in hellblau-metallic, der rundherum ziemlich zerschrammt ist, die Motorhaube sieht aus, als ginge sie nicht mehr ganz zu, aber das ist uns egal, denn wir finden, dass dieses Auto kein bisschen so aussieht, als könne es sich lohnen es aufzubrechen. Wir nennen es die Undercover-Karre und starten gleich einen Ausflug nach Butrint.

In Butrint sind die Ausgrabungen in einem schönen Park, es ist nicht viel los, die paar Touristen verlaufen sich auf dem Gelände. Wir fragen uns, ob es gleich nebenan in Griechenland einen vergleichbaren Ort gibt, wahrscheinlich nicht, und ob es dann wohl üblich ist, dass griechische Schulklassen Ausflüge hierher machen.

Butrint

Leider ist das Bodenmosaik im Baptisterium derzeit mit Sand bedeckt. Es wird so vor Temperaturunterschieden und Witterung geschützt und nur alle paar Jahre mal offen gezeigt. Schade, aber mir gefällt es, dass es nicht in ein Museum verlegt wird, sondern an der Stelle bleibt, wo es hingehört.

Gleich außerhalb des Parks befördert eine klapprige Seilfähre Autos übers Wasser, klar, dass wir da auch übersetzen müssen.

Fähre

Wir wollen zu einem weiteren touristischen Höhepunkt der Gegend, Syri i Kaltër, dem Blue Eye, und das natürlich nicht auf dem üblichen Weg zurück über Sarandë, sondern auf malerischen Nebenstraßen. Gute Gelegenheit, die Straßenkarte zu testen. Die erste orangefarbene Straße – Staatsstraße, haha – ist anfangs noch asphaltiert, allerdings durch gigantische Schlaglöcher in eine Art Mondkraterlandschaft verwandelt. Als der Asphalt in Schotter übergeht, macht das die Sache nicht besser. Die Undercoverkarre lenkt sich außerdem ziemlich schwer, ich bin froh, dass ich nicht fahre. Irgendwann biegen wir in die Straße zur Grenze nach Griechenland ein, die ist auf der Karte auch orange, aber hervorrgend ausgebaut. Wir finden, dass die hier mal eine Neueinschätzung ihrer Straßenverhältnisse veranlassen sollten.

In Dermish machen wir eine Cola-Pause in einem Lokal, das sich im Erdgeschoss eines halbfertigen Hauses befindet. Oben Rohbau, ohne Wände, unten ist alles aprikosenfarben gestrichen, Blumenkübel schmücken die Terrasse. Titus, der es immer erstmal mit griechisch versucht, kommt mit der Wirtin und einem älteren Mann ins Gespräch. Sie fühlen sich beide als Griechen, in Griechenland werden sie aber als Albaner gesehen. Der Mann hat ein Haus gebaut, in dem er auch Unterkunft für Reisende anbietet, aber bisher wird er wohl nicht so oft gefunden. Auf Sardinien heißt das Agritourismo, und funktioniert sehr gut, vielleicht kommt das hier noch.

Das Blue Eye ist eine Karstquelle, wo aus fünfzig Metern Tiefe Wasser an die Oberfläche gedrückt wird. Die Farbe ist türkisblau, es gibt eine kleine Plattform, von der aus man von oben hineinschauen kann. Es ist faszinierend, wie viel Wasser da emporsprudelt. Ein paar Jungs werfen Steine in das Loch, und erst bin ich ein wenig innerlich empört, weil das Wasser so wunderschön ist und die Steinbrocken so dreckig, aber eigentlich macht es überhaupt nichts, denn sie verschwinden einfach in der unvorstellbaren Tiefe. Am Bach gibt es einige Stellen, wo man leicht ins Wasser gelangt – alle müssen das ausprobieren, wir natürlich auch. Das Wasser ist klar und schnell, der Bach hat zumindest in der Mitte noch etwas von dieser unglaublichen Farbe, am Rand ist feiner Kies, und es ist unfassbar kalt. 10 Grad, gefühlt flüssiges Eis. Inzwischen sind ein paar Jugendliche in Badesachen aufgetaucht, zwei Mädels und ein Junge, die sich mutig vom Rand aus direkt am Quellsprudel ins Wasser stürzen. Dann springen sie noch von der Plattform – das ist zwar beides nicht erlaubt, aber sehr beeindruckend. Ich bin ein bisschen neidisch, aber dann doch zu feige, es ihnen nachzumachen.

Blue Eye

Stattdessen fahren wir zurück ans Meer, um endlich auch in türkisfarbenem Wasser zu baden, allerdings bei mindestens doppelt so hoher Temperatur.

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