Paddeltour Tag 1 – von Kratzeburg nach Blankenförde

Bahn Berlin-Südkreuz nach Kratzeburg – Käbelicksee – Granziner See – Landtransport Granziner Mühle – Pagelsee – Zotzensee – Jäthensee – Gortowsee – Pension Fischerhaus Blankenförde – 15km

Susanne und ich paddeln. Sechs Tage, nach Blick in die mittelfristige Wettervorhersage haben wir entschieden aufs Zelten zu verzichten, und stattdessen Übernachtung in Pensionen und einmal in einer Hütte auf dem Campingplatz gebucht. Zu der Idee haben wir uns später täglich beglückwünscht.

Mit dem Faltboot geht es in der Bahn ohne Umsteigen nach Kratzeburg. Einsatzstelle ist bei Kanu-Hecht am Käbelicksee. Hier werden wir noch mit einer Broschüre zum Verhalten im Nationalpark versorgt und lassen fürs Bootaufbauendürfen eine kleine Spende in der Kasse.

Das Boot lässt sich flott aufbauen, bei leichtem Nieselregen geht’s los. Der hört aber gleich wieder auf. Paddeln ist so schön – es kommt mir vor, als würde der Erholungseffekt schon mit den ersten Paddelschlägen einsetzen. Als Messfetischistin habe ich nicht nur die geplanten Strecken auf die Uhr geladen, sondern vermesse natürlich auch unsere Aktivitäten. Dabei vergesse ich aber gleich zu Anfang die Uhr zu starten, und später meistens bei Pausen die Stopptaste zu drücken, das Ergebnis ist also beschränkt aussagefähig.

Der Oberlauf der Havel ist sehr abwechslungsreich und führt durch viele Seen, die nur mit Paddelbooten befahren werden dürfen. Mehr Info gibt’s als Gewässerbeschreibung bei Flussinfo.

Kurz hinter dem Schulzensee bei der Granziner Mühle ist die Havel nicht befahrbar. Die sehr gute Paddelinfrastruktur bietet eine Lorenbahn an, auf der jeweils vier Boote gleichzeitig auf Schienen den 800m Landtransport zurücklegen können. Eine Klasse Tischler in Ausbildung nimmt uns hilfsbereit mit auf ihre Lore.

Lorenbahn Granziner Mühle
Lorenbahn Granziner Mühle

Ein weiterer Landtransport ist bei Babke nötig, hier wird ein Wehr mithilfe kleinerer Wägelchen ebenfalls auf Schienen umfahren.

Hinter Blankenförde biegen wir links in den Gortowsee und finden ganz hinten ziemlich versteckt die Pension Fischerhaus. Zum Gelände gehört auch ein Campingplatz, der offensichtlich nur Insidern bekannt ist. Neben einigen Dauercampern sehen wir nur ein einziges Zelt. Das Pensionszimmer „Gartenblick“ ist groß, die Dusche prima. Wir haben Abendessen bestellt und dürfen zwischen Vegetarisch, Fisch und Fleisch wählen. Das Abendessen wird auf der Terrasse serviert, als Unterhaltungsprogramm gibt es Seeblick und eine großartige Flugshow mit vielen Schwalben und einem roten Milan.

Neues Spielzeug – Teil 2: Schwimmen

Gestern Schwimmen. Ich war ewig nicht im Schwimmbad – irgendwie war die Motivation mit dem verfrühten Freibad-Saisonende trotz schönstem Wetter weg. Ausrede. Jetzt habe ich aber das neue Spielzeug, das angeblich auch schwimmen kann. Wenn das kein Anlass ist, mich mal wieder im Stadtbad Wilmersdorf sehen zu lassen.

Also: Ohne Frühstück los, Frühschwimmticket gelöst, Uhr umgeschnallt, „Poolschwimmen“ ausgewählt, 25m-Becken eingestellt, ins Wasser, Start gedrückt, eine Länge geschwommen, versucht, auf der Uhr was zu erkennen, nochmal irgendwas gedrückt, die Anzeige zeigt 10 an. 10? Soll heißen? Keine Ahnung, erstmal weiterschwimmen, auswerten kommt hinterher.

Auswertung:
1. Ergebnis: ich habe nur eine Länge gemessen, dann offensichtlich aus Blödheit die Uhr gestoppt (wie eigentlich???).
2. Ergebnis: Intuitiv ist das anscheinend nicht, jetzt muss ich doch die Anleitung lesen.

Falls sich jetzt jemand Sorgen um mein Zeitmanagement oder meinen mentalen Zustand macht: seid beruhigt, bisher ist das alles noch Teil des Vergnügens, sich ein neues Werkzeug gründlich anzueignen. Es hilft auch dabei, mich nochmal daran zu erinnern, dass die Menüführung bei Tante Garmine auch keinen Usability-Preis gewonnen hätte.

P.S.: Im zweiten Anlauf hat es funktioniert – sehr schick, weil ich beim Schwimmen bisher immer Bruttozeit mit allen Wenden und kurzen Pausen am Rand gerechnet hatte, die zählt die Uhr nicht mit, so dass ich laut Uhr auf einen Schnitt von 2’11 auf 100 m komme. Wenn sie da mal nicht hochstapelt, denn sie hat 1525m gemessen, und das wäre eine ungerade Bahnenanzahl.

Passivsport – Rugby

Der lange Lauf muss schon am Samstag stattfinden, denn am Sonntag habe ich besseres vor: das letzte Saisonspiel der Berlin Bruisers als Supporterin verfolgen. Ich habe C. beim Geburtstag meiner Freundin S. kennen gelernt, wo er mir mit Leuchtaugen von „seinem“ Sport Rugby erzählte. Das Gefühl kenne ich, und wenn einer beim Erzählen leuchtende Augen bekommt, möchte ich gerne mehr erfahren.

Das Team, bei dem C. mitspielt sind die Berlin Bruisers, „Germany’s first gay and inclusive Rugby Team“. Das heißt, die Spieler kommen aus wer weiß wie vielen Nationen, die meisten sind schwul, es spielen aber auch ein paar Heten mit.

S. ist ständige Supporterin der Bruisers und fährt C. mit dem Auto zum Spiel, ich darf auch mit. Pünktlich zwei Stunden vor Anpfiff sind wir im Stadion von Stahl Hennigsdorf, einem Traditionsverein, in dem schon seit 1948 Rugby gespielt wird. Da die Bruisers kein eigenes Spielfeld haben, haben sie nur Auswärtsspiele, d. h. auch das Hinspiel fand schon hier statt. Kurz nach uns trudelt das Team ein, alle begrüßen sich herzlich, stehen noch eine Weile rum, bis sie sich dann ins Spieloutfit werfen, das „Kit“ heißt und zu meiner Verblüffung so gut wie keine Polsterung besitzt (es ist allerdings erlaubt, ein ganz dünn gepolstertes Leibchen drunter zu tragen, was einige auch tun). Es gibt beim Rugby auch keine Helme wie bei American Football, sondern eine Art textilen Kopfschutz (Scrum-cap) von maximal 10mm Polsterung, den aber nur wenige Spieler vor Ort tragen. Mundschutz müssen alle tragen. Außerdem entfernen die Spieler, die welche haben, ihre Ohrpflöcke und kleben sich Pflaster über die Löcher. Ein Spieler kommt angelaufen und bittet uns, mit seiner Kamera das Spiel zu fotografieren. Da S. nicht möchte, habe ich plötzlich eine Aufgabe, super. Das Tele finde ich etwas gewöhnungsbeürftig (70-210mm) – ich bin keine Fotografin, habe aber vor, mein bestes zu geben.

Mir gefällt schon das Aufwärmen. Die Bruisers laufen viel, werfen und fangen den eiförmigen Ball und üben Scrum, das „Gedränge“. Stahl hat dicke folienüberzogene Schaumstoffquader mit Griffen an der Rückseite, die von einem Spieler gehalten werden, während die anderen mit voller Wucht dagegen rennen. Sie haben auch eine Scrum-Maschine. Materielle Überlegenheit auf ganzer Linie – nun ja, das Hinspiel haben die Bruisers mit ungefähr 0:70 verloren, und heute erwarten sie nicht viel mehr.

Kurz vor Anpfiff erscheinen die Cheerleaders von Stahl, kleine Mädchen zwischen vielleicht 5 und 12. Sie bilden ein Spalier und wedeln aufs Niedlichste mit ihren blauweißen Puscheln, während ihre Mannschaft zu Fanfarenklängen einläuft. So etwas haben die Bruisers nicht, und einige unserer vielleicht zehn Supporter verdrehen ein wenig die Augen angesichts von so viel Pomp. Wir haben aber auch einen Cheerleader: J. trägt einen Morphsuit und zwei Glitzerbändchen in Bruisers-Lila und springt elfengleich am Spielfeldrand auf und ab. Ich finde J. großartig und lerne ein wenig Fachvokabular von ihm und dass wir unser Team mit „GO BRUISERS!!!“ anfeuern.
Morphsuit

Das Spiel wird angepfiffen, die Mannschaften stürmen los. Es geht darum, den Ball hinter die Ziellinie der gegnerischen Mannschaft zu tragen – werfen nach vorne ist nicht erlaubt, Abspiel zu Mitspielern nur nach hinten. Wer mit dem Ball rennt, wird von der Gegenmannschaft getackelt, also zu Boden geworfen, und versucht schnell noch den Ball an die eigenen Leute abzugeben. Das soll durch einen Ruck begünstigt werden, das heißt, Mitspieler werfen sich über den am Boden liegenden Ballhalter, damit der den Ball an die eigenen Leute abgeben kann. Wenn es gelingt, den Ball hinter die Ziellinie zu schaffen, heißt das Try (Versuch). Die Mannschaft bekommt fünf Punkte und darf noch einen Conversion Kick ausführen – von wo genau habe ich nicht verstanden, jedenfalls auf einer Linie, die die Stelle, wo der Try erzielt wurde, parallel zum Spielfeldrand schneidet. Dabei wird der Ball mit dem Fuß auf das H-förmige Tor geschossen, und wenn er zwischen den senkrechten Stangen hindurch über die Querlatte fliegt, gibt es noch zwei Punkte. Ob das geklappt hat, kann ich kein einziges Mal erkennen, aber da hinten stehen Spieler mit Fähnchen, die sie hochhalten, wenn getroffen wurde, so dass auch ahnungsloses Publikum Bescheid weiß. Die Bruisers verteidigen gut, und es vergeht fast eine Viertelstunde bis Stahl den ersten Try erzielt. Unsere Supporter sind euphorisch, manche versteigen sich zur Spekulation, dass heute vielleicht doch der erste Try der Saison drin sein könnte. Zweimal sind die Bruisers ganz knapp davor, aber wenige Meter vor der Linie wird unser heranstürmender Spieler zu Boden gerissen und Stahl schnappt sich den Ball. Schade.

Fouls werden mit einem Scrum, einem Gedränge geahndet. Drei Reihen von Spielern stehen einander gegenüber. Nach genauen Regeln und auf Kommando des Schiedsrichters verknäulen sie sich zu einer Art Schildkröte, der Ball wird gerade unter dieses Gebilde gerollt und beide Teams versuchen, die anderen weg- und sich selbst über den Ball zu schieben, damit der eigene Hooker (deutsch: Hakler) den Ball dem eigenen Team zuschubsen kann. Der wird dann hinten durchgereicht, irgendwer brüllt „Ball’s out!“ und das Spiel geht weiter.
Scrum

Einwurf – Line-out – ist auch spektakulär: Spieler beider Mannschaften bilden eine Gasse, der Ball wird in die Mitte zwischen beiden Reihen eingeworfen. Mehrere Spieler stemmen einen aus dem Team hoch, damit der hoffentlich dem Gegner den Ball wegschnappt.
line-out

Bis zur Halbzeit steht es „nur“ 0:14 – das ist schon ziemlich klasse. Außerdem heißt es, die Bruisers spielen ausgesprochen fair, das wird von vielen Schiedsrichtern honoriert (C. sagt, es fehle aber auch an Erfahrung was effizientes Foulen angeht). In der zweiten Halbzeit lassen die Kräfte dann etwas nach, Stahl Hennigsdorf erzielt noch einige Punkte, aber das macht alles nichts. Am Ende steht es 0:50, der Coach ist mit seinen Bruisers sehr zufrieden, denn sie haben sich im Laufe der Saison merklich gesteigert, Erfahrung gewonnen, und nach der Saison ist schließlich vor der Saison: in der nächsten werden sie garantiert den ersten Try in einem Ligaspiel schaffen.

Mir hat es gut gefallen, und vielleicht darf ich in der nächsten Saison ja wieder einmal mit. Die Bruisers haben jedenfalls einen Fan mehr. Die Fotografin von Stahl hat übrigens viel bessere Fotos gemacht als ich, falls jemand schauen möchte, hier sind sie.

Der Schweinehund ist ein Wasserschwein

Es gibt wieder einen Plan. Der sieht für heute 45 Minuten Schwimmen vor. Hmm. Samstag finde ich das nicht so günstig, denn das nahegelegene Prinzenbad ist meistens ziemlich voll (unter der Woche schwimme ich vor der Arbeit im Sommerbad Wilmersdorf, da sind immer drei Bahnen für „sportliches Schwimmen“ abgesperrt). Egal, der Plan ruft, also je früher, desto besser.

Voll ist es um kurz vor acht zwar nicht – vermutlich wegen der 13° Lufttemperatur – aber das Mehrzweckbecken ist gesperrt. Im nicht beheizten Sportbecken kraulen nur fünf oder sechs ganz Unerschrockene, zwei davon im Neo. Ich halte den Zeh rein, entscheide mich dann dagegen. Die Kälte halte ich keine Dreiviertelstunde aus.

Die weniger Tapferen teilen sich das etwas unregelmäßig geformte Nichtschwimmerbecken. Immerhin sind die Wasserfallpilze noch nicht an. Ich kraule also los, immer einer Naht am Boden entlang. Auf die Idee ist auch schon eine gekommen, die entgegen schwimmt. Elegant weichen wir einander aus, jede eine halbe Körperbreite nach rechts – so soll das sein. Am anderen Ende ist das Wasser so flach, dass ich mit der Hand den Boden berühre, also vor dem Ende schon wenden. Es schwimmt ziemlich viel Zeugs im Wasser, das meiste ist wohl von Bäumen reingefallen, und alles andere versuche ich mir lieber nicht so genau anzuschauen. Ein wenig graust es mir, und ich stelle fest, dass eine Schwimmbrille mit optischen Gläsern auch Nachteile hat. Nach vier Längen finde ich es doof hier. Ich schaue auf die Uhr oben auf dem Schwimmeisterausguck und finde, dass kaum Zeit vergangen ist. Könnte ich unter diesen widrigen Bedingungen nicht einfach nur eine halbe Stunde schwimmen? Oder zwanzig Minuten? Weiter geht’s. Ich versuche, schön zu gleiten, vor allem den vorderen Arm beim Atmen nicht absacken zu lassen. Die Rotation, die die TI-Theorie verlangt, ist zwar umstritten, macht aber viel Spaß. Das Wasser gleitet am Körper entlang, und die Bewegung ist zwar nicht schnell, aber ganz mühelos. Platsch, bekomme ich die Hand einer Rückenschwimmerin aufs Ohr. Ich erschrecke, es tut aber nicht weh. Sie entschuldigt sich, ich sage „Nix passiert“ und wir ziehen weiter unserer Wege. Wie wär’s denn auch mal mit Rückenschwimmen? Och nö, da ist der Arm zu lange in der Luft und wird zu kalt. Also weiter Kraulen. Wer hätte das gedacht, dass ich mal finde, dass das die entspannteste Disziplin im Wasser ist? Dann sind 25 Minuten vorbei. Jetzt raus? Aber das ist auch doof, eigentlich ist es doch gar nicht so schlimm, und wenn ich immer gleich um den Pilz eine große Kurve schwimme, laufe ich auch nicht mit dem Bauch auf Grund. Dennoch geht mein Blick nach jeder Runde zur Uhr. Mir wird kalt an Händen und Füßen. Noch zehn Minuten, da lohnt es sich auch nicht mehr früher aufzuhören. Dann sind es nur noch fünf – fertig.

Die Duschen im Prinzenbad sind super. Die Temperatur lässt sich regeln, und es ist prima, wieder aufzutauen. Auf dem Rückweg hole ich Brötchen, und als ich in die Küche komme, wird gerade der Frühstückstisch gedeckt. Perfekt! Bin total ausgehungert und ziemlich froh, dass ich nicht früher abgebrochen habe.

Kraulkurs

Wenn beim Laufen nichts spannendes passiert, gibt es mal wieder Neues aus dem Hallenbad: Samstags ist Kraulkurs. Da der Trainer beobachtet hat, dass bei den meisten von uns der vordere Arm zu früh wegsackt, sollen wir eine ganz vertrackte Übung machen: linken Arm nach hinten an den Körper anlegen, der rechte macht Armzüge. Dabei nur nach links atmen und darauf achten, dass der Armzug aus der Streckung heraus nach hinten erst startet, wenn die Nase wieder nach unten zeigt. Ich bin komplett verwirrt. Auf dem Rückweg dieselbe Übung in die andere Richtung. Nicht nur, dass ich koordinatorisch ziemlich überfordert bin, es kommt unweigerlich ans Tageslicht, dass ich auch sonst nicht richtig atme: meistens bin ich mit Ausatmen noch nicht fertig, wenn ich schon den Kopf aus dem Wasser drehe – und jetzt diese neue Herausforderung. Auch als wir wieder andere Übungen machen, grüble ich dauernd noch über den verfrühten Armzug nach und komme ständig durcheinander. Tststs, da gefällt mir die Übung 25m „Kraulen ohne Atmen“ doch viel besser – mit Flossen versteht sich, sonst würde ich ertrinken. Atmen stört irgendwie. Ich glaube, jetzt muss ich erstmal noch ein bisschen Youtube gucken, wie die das dort machen…