Die Uhr wird alt

Die Laufuhr ist sieben Jahre alt. Eigentlich funktioniert sie noch tadellos, auch der Akku hält noch echt lange durch. Sie wird aber vom Hersteller Suunto vernachlässigt. Vor einiger Zeit hat der nämlich die alte Plattform stillgelegt und eine neue App eingeführt, mit der die Uhr synchronisiert werden muss. Es funktioniert aber nicht alles. Ich kann in der App zwar Strecken erstellen oder hochladen, ich kann auch einen netten kleinen Schalter aktivieren, dass die Strecke auf der Uhr genutzt werden soll, aber der macht nichts. Die Strecken werden aus der App nicht synchronisiert. Jedenfalls nicht für eine sieben Jahre alte Uhr. Es geht noch, wenn ich die Uhr mit Kabel an den Rechner anschließe, aber ich habe im Urlaub keinen Rechner dabei. Und so kann ich die mir wichtigste Funktion der Uhr nicht nutzen: Unbekannte Strecken erstellen und mit der Uhr navigieren. Das finde ich wirklich enttäuschend, denn früher ging das ganz hervorragend. Ja, ich habe mich an den Hersteller gewendet, aber es ist eben so, dass die neue App nicht ewig abwärtskompatibel sein kann. Sieben Jahre, absolut funktionstüchtige Hardware, aber wegen nicht mehr gepflegter Software zumindest unterwegs in unbekannten Gegenden nur noch eingeschränkt nutzbar.

Viele würden wohl einfach auf gut Glück loslaufen, aber so ticke ich nunmal nicht. Ich möchte vorher ungefähr wissen, wie weit es ist, ich möchte Grünanlagen und Aussicht und nicht hin und zurück dieselbe Strecke. Also habe ich mir eine Strecke zusammengetippert, obwohl ich sie nicht auf die Uhr schubsen kann. Muss ich halt mit Handy navigieren – unter Protest versteht sich.

Fensterputzen, Schuhtest und Anbaden

Himmelfahrt, Vatertag, Herrentag – ich finde seit vielen Jahren, dass im Grünen zu viele Bollerwagengespanne unterwegs sind, und dass sich der Tag deshalb ganz ausgesprochen gut zum jährlichen Fensterputzen eignet. Mit dieser persönlichen Tradition bin ich mittags fertig.

Als nächstes Laufen: 12 Kilometer, die neuen Schuhe wollen getestet werden. Sagt mal, ist euch auch aufgefallen, dass anscheinend der Trend zu wenig Sprengung schon wieder nachlässt? Das finde ich ganz schön doof, denn wenn eine sich mal angewöhnt hat, NICHT auf der Ferse zu landen, tapst so eine dicke Ferse am Laufschuh bei der Landung ganz blöd und behindert die Federung. Getestet habe ich das neulich mit einem Schuh, den der Laufschuhdealer mir empfehlen wollte – aber das geht irgendwie gar nicht mehr. Nur sind flache Schuhe kaum noch im Angebot. Blöd. Mit ein wenig schlechtem Gewissen habe ich also Schuhe in einem anderen Laden gekauft (aber wenn der Laufschuhdealer es innerhalb von sechs Wochen nicht schafft, sich wie angekündigt nochmal zu melden…). Auch dort war die Auswahl nicht berauschend, am besten funktionierten noch Puma Speed 300 mit angeblich 6mm. Die habe ich jetzt. Sie sind vorne WEISS! Wer denkt sich denn sowas aus? Egal, die 12km über den Insulaner gehen flott von den Füßen. Schuh funktioniert, aber dieses begeisterte ich-kann-fliegen-Gefühl, das die f-lite 195 oder die Pearl Izumi EM 1 verursacht haben, bleibt aus. Schade.

Höhepunkt des Tages ist aber heute nicht der Lauf, sondern das Anbaden im Sommerbad Wilmersdorf. Wir verdanken die frühe Saisoneröffnung dem Umstand, dass das Olympiabad renoviert wird. Sehr gut! Also nach dem Laufen schnell was übergeworfen, Badesachen geschnappt, noch eben in die Schlange vor der Eisdiele eingereiht und in der Sonne ein großes Eis verputzt, aufs Rad geschwungen und ab ins Freibad. Es hat sich noch nicht herumgesprochen, dass offen ist, so dass trotz Feiertag genug Platz auf den beiden abgesperrten Bahnen ist.

An auffällig vielen Stellen im Bad stehen Aufsteller mit großen dreisprachigen Plakaten herum, auf denen Baderegeln entweder mit Fotos oder mit Comics erklärt werden, auf deutsch, türkisch und arabisch. Da wird erklärt, dass Nichtschwimmer nicht ertrinken sollen, aufs Badpersonal hören und keine Frauen belästigen, egal, ob die jetzt Bi- oder Burkini tragen (die beiden letzteren Punkte gelten für alle, nicht nur Nichtschwimmer). Ich bin nicht ganz sicher, ob so viel Prävention sinnvoll und nötig ist, mir sind das ein wenig zu viele Plakate.

Schwimmen ist schön, es sind lauter rücksichtsvolle Menschen auf der Bahn, selbst die mit den Spielsachen haben ihre Flossen und Paddles gut im Griff. Jede vierte Bahn schwimme ich auf dem Rücken, damit die Vorderseite auch ein bisschen Sonne abbekommt. Der Himmel ist blau mit einigen kleinen weißen Wölkchen, so geht Sommer.

Neues Spielzeug – Teil 3: Navigieren

Sonntag, ich will mal wieder eine unbekannte Strecke laufen und vor allem das neue Spielzeug auf seine Navigationsfähigkeit testen. Dafür kann ich entweder direkt in Movescount eine Strecke zusammen klicken – funktionert super, man kann wie auf gpsies.com auf Wunsch auch Fußwegen folgen, das ist wirklich sehr komfortabel – oder, wenn es denn eine bereits existierende Strecke sein soll, von woanders in Movescount importieren. Dort kann ich ein Kästchen aktivieren, wenn die Strecke auf der Uhr angezeigt werden soll – wenn nicht, liegt die Route auf Vorrat rum.

Ich wähle eine Route immer an der Panke entlang – ab Buch bis zur Mündung ins Berliner Nordhafen-Vorbecken. Zugegebenermaßen ist die Panke vermutlich der langweiligste Fluss Berlin-Brandenburgs, wenn nicht der Welt. Mir ist jedenfalls kein anderer bekannt, der dermaßen windungsarm und kanalisiert daher kommt. Im Frühling ist das vielleicht ein bisschen egal, denn das frische Grün an den Ufern ist immer ein schöner Anblick, auch wenn es mehr oder weniger immer in südwestlicher Richtung geht.

Ich fahre also mit der S-Bahn nach Buch, verlasse den S-Bahnhof in südlicher Richtung und starte die Uhr. Das geht so: Start – Trainieren – Laufen (Brustgurt finden, bzw. ignorieren, da nicht dabei, GPS finden). Dann mit NEXT-Knopf Optionen aufrufen – NAVIGATION – ROUTEN – Route auswählen – A – Navigieren. Dann erscheint der kleine Pfeil und die Wurmnavigation. Mit dem VIEW-Knopf wechsle ich zwischen verschiedenen Zoom-Einstellungen, mit dem NEXT-Knopf zwischen Navigations- und Trainingsansicht. OK, scheint zu funktionieren.

Anzeige kurz vor der KurveIch laufe los, bis ich auf die Panke stoße. Ab hier folge ich dem Flusslauf. Man könnte meinen, dass dafür nun wirklich kein Navigationsspielzeug nötig wäre. Allerdings muss ich manchmal die Seite wechseln, und gelegentlich gibt es keinen Weg direkt am Ufer, so dass ich mich doch freue, immer zu sehen, wo ich hin kann. Zuerst finde ich es ein bisschen schade, dass ich nicht in so vielen Stufen zoomen kann wie bei meiner ollen Garmine (echt mal – die konnte wirklich ALLES, was ich wollte). Aber dann entdecke ich eine Funktion, die mir sehr gut gefällt: wenn es geradeaus geht, zeigt der Maßstab 500m an, wenn Kurven bevorstehen, wechselt die Uhr automatisch auf 100m, so dass immer ziemlich leicht zu erkennen ist, wo ich abbiegen muss. Das ist schick.

Zunächst einmal laufe ich direkt auf die Autobahn zu und frage mich, ob ich beim Streckenklicken etwas verwirrt war, denn es sieht erstmal nicht so aus, als ginge da ein Weg drüber oder drunter durch. Es ist dann auch kein richtiger Weg, aber der Panke-Tunnel hat an der Seite ein bisschen Fläche für Fußgänger, so richtig offiziell sieht das nicht aus, funktioniert aber. Lustig, dass die Autobahn genau an der Stelle ein Fenster in der Lärmschutzwand hat.
A10

Ein Stückchen weiter gerate ich in ein echtes Naherholungsgebiet: die Karower Teiche. Eine Karte zeigt, wo Aussichtsplattformen zum Vögelbeobachten aufgestellt wurden – den kleinen Umweg muss ich unbedingt machen. Es ist schön, bei frischen Frühlingsfarben und tollen Wolkenformationen aufs Wasser zu blicken, aber die spektakuläreren Vogelarten sind gerade – oder vielleicht noch – nicht da. Macht nichts, es gibt ein paar Enten, die sind auch nett.

Karower Teiche

Ich weiß nicht mehr genau, wo, aber ein Zufluss führt ziemlich schwarzes Wasser mit sich (es ist der Buchholzer Graben, wie ich später rausfinde). Das sieht aus wie am Zusammenfluss von Orinoko und Rio Caroni –  nur kleiner. So ganz ist das auf dem Foto nicht zu erkennen. In Echt finde ich es recht spektakulär und ziemlich eklig. Die Panke hat sowieso eine etwas komische Farbe, also schon vorher. Irgendwann später fällt das dann gar nicht mehr so richtig auf.

Schwarzer Pankezufluss

In Pankow führt die Strecke noch einmal zwischen Panke und ein paar schönen Teichen entlang, dann muss ich eine Zeitlang auf die Schlossallee ausweichen, weil es direkt am Fluss keinen Weg gibt. Die führt aber direkt in den Schlosspark, wo ich auch die Panke wieder treffe. Dieser Teil von Pankow ist Niederschönhausen.

Schlosspark

In Pankow quere ich noch den Bürgerpark, dann geht’s nach Gesundbrunnen – wobei ich immer dachte, das gehört zum Wedding, aber das hat sich bei der letzten Bezirksreform 2001 wieder ein bisschen geändert, jetzt gehören sowohl Gesundbrunnen als auch der Wedding zu Mitte. Hier zieht sich die Panke als sehr schmale Grünanlage mitten durch die Stadt. Kurz vor ihrem Ziel verschwindet die Panke im Gelände des Erika-Hess-Eisstadions, ich muss außen rum, aber gleich erscheint sie noch einmal und mündet mit einem kleinen Gefälle ins Nordhafen-Vorbecken.

Nordhafen-Vorbecken

Die Panke ist damit am Ende, ich aber noch nicht. Am Hauptbahnhof stelle ich fest, dass meine vermessene Strecke hier abbricht – was habe ich mir nur dabei gedacht? Eigentlich hätte ich jetzt genug, aber BVG ist auch nicht wirklich eine Option, also laufe ich noch durch den Tiergarten und auf so direktem Weg wie möglich nach Schöneberg. Das fällt jetzt nicht mehr unter unbekannte Strecke, da braucht mir die Uhr auch nicht mehr zu sagen, wo es lang geht.

Das war der erste Navigationsversuch mit der Ambit. Bin sehr zufrieden und freue mich auf Läufe in wirklich unbekannten Gegenden.

Neues Spielzeug – Teil 2: Schwimmen

Gestern Schwimmen. Ich war ewig nicht im Schwimmbad – irgendwie war die Motivation mit dem verfrühten Freibad-Saisonende trotz schönstem Wetter weg. Ausrede. Jetzt habe ich aber das neue Spielzeug, das angeblich auch schwimmen kann. Wenn das kein Anlass ist, mich mal wieder im Stadtbad Wilmersdorf sehen zu lassen.

Also: Ohne Frühstück los, Frühschwimmticket gelöst, Uhr umgeschnallt, „Poolschwimmen“ ausgewählt, 25m-Becken eingestellt, ins Wasser, Start gedrückt, eine Länge geschwommen, versucht, auf der Uhr was zu erkennen, nochmal irgendwas gedrückt, die Anzeige zeigt 10 an. 10? Soll heißen? Keine Ahnung, erstmal weiterschwimmen, auswerten kommt hinterher.

Auswertung:
1. Ergebnis: ich habe nur eine Länge gemessen, dann offensichtlich aus Blödheit die Uhr gestoppt (wie eigentlich???).
2. Ergebnis: Intuitiv ist das anscheinend nicht, jetzt muss ich doch die Anleitung lesen.

Falls sich jetzt jemand Sorgen um mein Zeitmanagement oder meinen mentalen Zustand macht: seid beruhigt, bisher ist das alles noch Teil des Vergnügens, sich ein neues Werkzeug gründlich anzueignen. Es hilft auch dabei, mich nochmal daran zu erinnern, dass die Menüführung bei Tante Garmine auch keinen Usability-Preis gewonnen hätte.

P.S.: Im zweiten Anlauf hat es funktioniert – sehr schick, weil ich beim Schwimmen bisher immer Bruttozeit mit allen Wenden und kurzen Pausen am Rand gerechnet hatte, die zählt die Uhr nicht mit, so dass ich laut Uhr auf einen Schnitt von 2’11 auf 100 m komme. Wenn sie da mal nicht hochstapelt, denn sie hat 1525m gemessen, und das wäre eine ungerade Bahnenanzahl.