Sonntagslauf – drei Parks und ein Café

In der U4 fragt ein Mann mich nach dem Weg zum Treptower Park – er denkt, ich wolle vielleicht dort laufen – ist aber nicht so, wobei ich das auch mal ausprobieren könnte. Es ergibt sich ein interessantes Gespräch. Er kommt aus Indien, ist früher mal gelaufen und hat Cricket gespielt („In India, we have a game called Cricket“ – ich sage nicht, dass ich das weiß, das hätte nur das Gespräch ins Stocken gebracht), dann musste er aber ordentlich studieren und hat den Sport aufgegeben. Jetzt sieht er immer Leute durch die Parks laufen und denkt sich, dass er das auch mal wieder anfangen sollte, es fehle aber der letzte Impuls. Er meint, er würde sich eine Laufgruppe suchen wollen, ich versichere, das sei eine hervorragende Idee. Zu Hause hat er ein College gegründet, um junge Frauen in technischen Fächern auszubilden, vor allem IT-Dinge. Er scherzt, dass er ein „developer of developers“ sei. Deswegen sei er von der Humboldt-Universität eingeladen worden. Ich finde das alles sehr interessant. Am S-Bahnhof Tempelhof verabschiede ich mich und laufe aufs Tempelhofer Feld.

Erstmal eine Runde außen rum. Zwei ehemalige Kolleginnen kommen mir entgegenspaziert. Ich winke freundlich, habe aber keine Lust stehen zu bleiben, um ein Schwätzchen zu halten. Es sind viele Leute in Laufschuhen, auf Inlinern oder Rennrädern unterwegs. Die in Laufschuhen sind heute alle schneller als ich, aber es soll ja auch „Langsamer Dauerlauf“ sein. Ich nehme den Ausgang Oderstraße und laufe Richtung Hasenheide. Hier war ich lange nicht, es ist aber wie immer: es wird spaziert oder gelaufen, die Dealer stehen an verschiedenen Ecken rum, machen aber keine Kaltakquise – jedenfalls nicht bei Läuferinnen. Das eine Kamel im Tiergehege sieht schrecklich zerrupft aus, hoffentlich hat es nicht aus Versehen das Winterfell zu früh abgeworfen. Die Rixdorfer Höhe kommt mir ganz schön steil vor, aber ich laufe schnaufend hoch. Auf der anderen Seite wieder runter, über den Columbiadamm, an der Moschee vorbei und wieder aufs Tempelhofer Feld. Ich laufe die durch die Hasenheide unterbrochene Runde weiter und begegne zum zweiten Mal den Exkolleginnen – die müssen mich für noch viel langsamer halten, als ich tatsächlich bin. Wieder winken wir uns gegenseitig zu, die eine versucht ein anerkennendes Nicken.

Ich wähle den Ausgang Paradestraße und laufe durchs Fliegerviertel. Kurz vor dem Bahnhof Südkreuz gibt es ein Gewerbegebiet mit schönen alten Ziegelbauten, das ist zwar ummauert, aber es ist möglich, kreuz und quer durch die Privatstraßen zu laufen und an der anderen Seite auch wieder herauszukommen. Dort quere ich die Bahngleise auf dem Alfred-Lion-Steg und nehme dann den neuen Fuß- und Radweg nach Norden Richtung Gleisdreieck-Park. Den betrete ich über den Parkplatz des großen Baumarkts an der Yorckstraße, drehe noch eine kleine Schleife über die Fußgängerbrücke am Sonnendeck, kehre auf die Yorckstraße zurück und laufe nach Westen, unter dem Sozialpalast hindurch bis zur Kyffhäuser Straße, dort nach links bis zum Mattea B. Das ist das Lieblingscafé, wo sie einen sensationell leckeren Kuchen backen – heute neu und sehr empfehlenswert: Aprikosenkuchen, von dem der Kellner behauptet, der sei so fluffig, dass man das Riesenstück praktisch völlig unbemerkt inhalieren könne.

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