Sonntagslauf – Moabit ist eine Insel

Der Hase und ich wollen Moabit umrunden. Moabit ist nämlich eine Insel, wir wollen also immer am Wasser entlang einmal außen rum laufen. Dass das Bildchen was anderes zeigt, kam so:

Rund um Moabit

Um 1/2 10 holt er mich ab, geparkt wird etwas südlich des Brandenburger Tors, weil der Hase mir noch etwas zeigen will, das da im Tiergarten steht (ein Hollywoodschriftzug zu Ehren der Berlinale). Es regnet „mäßig“, wie wetter.com findet. Ich finde den Regen ausgesprochen nass, windig ist es außerdem, aber die Laune ist bestens.

Am Brandenburger Tor, dann vor dem Reichstag und am Humboldthafen vorbei, geht es ein Stückchen auf dem Mauerweg, dann immer auf der Weddinger Seite am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal entlang. Auf der Moabiter Seite gibt’s Industrieromantik und die Anlagen des Westhafens. An der Seestraßenbrücke fügen wir noch eine kleine Schleife einmal um den Plötzensee hinzu.

Spannend wird es, als uns nach Überqueren der Beusselstraße ein Verbotsschild das Weiterlaufen am Ufer verbieten will: „Betreten der Baustelle verboten“. Ich sehe keine Baustelle, der Hase findet, es müsse um die Baustelle der Autobahnauffahrt gehen. Wir diskutieren das aber nicht lange, sondern folgen dem Plan und dem Ufer. Da gibt es eine lange Anlegestelle für Lastkähne, wir laufen zwischen Kanal und Autobahn. Wind und Regen kommen genau von vorne, aber Hände und Füße sind noch warm. Ein wenig flau wird mir schon vom Thema, dass die Schiffer in dieser gottverlassenen Gegend ja nicht mal eben vom Kahn steigen und zum Bäcker gehen können. Als der Hase findet, dass uns ja mal einer zu Kaffee und einer heißen Wurst reinbitten könnte, knurrt mein Magen so laut, dass ich denke, der Hase müsste es eigentlich hören. In der Ferne ist eine Brücke zu sehen, die auf den ersten Blick aussieht, als würde sie Kanal und Autobahn und damit auch unseren Fußweg in einem eleganten Bogen überspannen. Beim Näherkommen entdecken wir zu unserer Erleichterung einen spiraligen Aufgang in der Mitte, wunderbar, der Kanal wird überquert.

Wir folgen dem Charlottenburger Verbindungskanal, der genau an der Stelle auf die Spree trifft, wo auch der Landwehrkanal dazu kommt. Eine richtige Wasserkreuzung, sehr schön. Leider versperrt eine blöde Strandbar den Durchgang zur nächsten Brücke. Zaun bis ans Wasser – Schweinerei. Ich schimpfe ein bisschen rum, dass ich dieses blöde Gartenlokal vielleicht gerne mal nach einem schönen Sommerläufchen besucht hätte, aber so, mit Wegabsperren, das geht ja gar nicht. Möge sie die Insolvenz dahinraffen.

Es geht also ein Stück zurück und auf der Straße zur Röntgenbrücke, dann südlich der Spree weiter zur Dovebrücke, schön den Spreebogen ausgelaufen ums Fraunhofer Institut herum und über die Gotzkowskybrücke. Ich habe Hunger und erwähne das auch so beiläufig. Der Hase hat beim Laufen nie Hunger, bietet mir aber an, einen Döner oder ein Frühlingsröllchen zu jagen. Ich lehne ab, wir laufen weiter. Ich merke, dass ich doch echt erledigt bin. Noch vor der nächsten Brücke bekomme ich fieses Seitenstechen – dabei soll das doch eher auftreten, wenn man vorher zu viel gegessen hat. Zuerst versuche ich es durch lustige Übungen wegzuturnen, laufe weiter, aber schon an der Hansabrücke ist wieder Schluss.

Kleinlaut mache ich den Vorschlag direkt durch den Tiergarten abzukürzen. So fieses Seitenstechen hatte ich noch nie. Wir gehen. Der Hase ist sehr geduldig und schlägt sogar vor, den Rest mit dem Taxi zu erledigen (wenn wir den Fahrer bitten, ganz langsam zu fahren, könnten wir es auf dem Satellitenbild noch als Endbeschleunigung ausgeben – schön, er bringt mich zum Lachen). Aber nix da, weiter geht’s. An der Fußgängerampel am Großen Stern fragt uns ein Läufer, ob wir erst anfangen oder schon fertig seien. „Fix und“ sage ich, das versteht er erstmal akkustisch nicht. Klinge ich schon so kläglich?

Nach einer kleinen Abkürzung querparkein trabe ich auf dem Parkweg doch wieder an. Dem besorgten Hasen erkläre ich meinen Interessenkonflikt: es ist zu kalt zum Gehen, auch wenn ich eigentlich zu fertig zum Laufen bin. Also mit unterirdischer Geschwindigkeit dahingeschlichen. Hoffentlich hat sich der Hase bei der Aktion nicht erkältet. Als wir endlich beim Hasenauto ankommen, bin ich sehr erleichtert. Der Hase beruhigt mich, dass es auch mal schlechte Tage geben dürfe. Ich weiß ja nicht. Schon – aber doch nicht so!

Eine Badewanne und ein Sofapäuschen später geht es mir wieder viel besser. Nun ja, es war ein eher geselliges Wochenende, ich hatte schon die zweite Nacht zu wenig geschlafen und war zu spät aufgestanden, um rechtzeitig vor dem Laufen mehr als ein winziges Häppchen zu frühstücken. Was lernt mir das? Vermutlich, dass ausreichender Nachtschlaf und anständiges Frühstück keinesfalls überschätzt werden.

Und hier die Zahlen: diese Woche bin ich 42,19 km gelaufen – wenn das kein gutes Omen ist. Die Gehpause musste ich ziemlich genau an der Stelle anfangen, wo ich unter glücklicheren Umständen meinen 3000. Jogmap-Kilometer hätte feiern können. Vielleicht hätte ich das stattdessen tun sollen. Der Lauf selber war 19km lang und dauerte 2 Stunden und 8 Minuten, wobei wir laut Auswertung etwa einen km gegangen sind.

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