Der erste Schnee

Die Laufgruppe wurde per Mail gefragt, wer denn mal mit laufen wolle – mit dem Versuch, den Schnee als Pluspunkt anzupreisen – aber irgendwie ist darauf niemand reingefallen. Hey, die Leute sind selber groß und alt genug zu entscheiden, ob sie bei dem Wetter vor die Tür wollen. Sollen sich doch alle selber motivieren oder halt drinnen Sport treiben, Winterschlaf halten oder die Zeit sonst verbringen, wie es ihnen gefällt.

Outfit bei minus sechs Grad: innen angeraute Winterlaufhose, Merinounterhemd, Langarmshirt, Laufjacke, Mütze, Handschuhe, ausreichend lange Socken, ganz normale Laufschuhe. Die ersten Schritte auf der dünnen Schneeschicht sind vorsichtig – ist es glatt? Nein, der Untergrund ist griffig. Es ist immer noch sehr kalt, die Flocken ganz fein und pulvrig, bei Gegenwind pieksen sie ein bisschen im Gesicht. Zugegebenermaßen sind die Hände trotz der Handschuhe anfangs eiskalt, nach anderthalb Kilometern aber aufgetaut und warm.

Brücke im Volkspark

Ganz großer Vorteil bei Schnee: im unbeleuchteten Volkspark Wilmersdorf sind dennoch die Wege gut zu erkennen. Wie immer laufen hier Leute, vielleicht nicht ganz so viele wie sonst, aber mir begegnen mindestens vier Personen in unterschiedlichen Vermummungsgraden. Vielleicht bin ich doch ein bisschen zu leicht angezogen, Beine und Arme sind ganz schön kalt, der Wind, der auf dem Rückweg von vorne bläst, ist ziemlich frisch. Aber Hauptsache, Hände, Füße und Kopf sind warm, dann geht’s schon, versuche ich mir warme Gedanken zu machen. Nach einer knappen Stunde bin ich wieder zu Hause und sehr zufrieden mit dem ersten Schneelauf der Saison.

Laufen unterwegs – Drehwurmnavigation

Meine Lieblingsfunktion der guten alten, herztransplantierten Garmine FR 305 ist es, auf gpsies.com erstellte Strecken von unbekannten Gegenden draufzuladen und dann abzulaufen. Das kleine Display zeigt eine sich windende schwarze Linie, die treffend benannte „Wurmnavigation“, es gibt darauf einen winzigen Pfeil, der in Laufrichtung zeigt, und wenn ich vom rechten Weg abkomme, fiept Garmine vorwurfsvoll, so dass ich den Kurs korrigieren kann.

Bevor ich auf Reisen gehe, suche ich immer interessant aussehende Strecken oder bastle mir meine eigenen, die dann praktischerweise direkt von meinem Hotel starten und mich wieder zurückführen. So auch letzte Woche, Arnstadt im schönen Thüringen war das Ziel. Der einzige Haken an Dezemberreisen sind die Lichtverhältnisse auf der Nordhalbkugel: vor und nach Feierabend ist es noch oder schon wieder dunkel, Läufe im Finstern durch unbekannte Wälder sind nicht so mein Ding. Nun ist Arnstadt nicht besonders groß, um also ein paar Kilometerchen ins Kopfsteinpflaster zu brennen, muss es schon kreuz und quer durch die Stadt gehen. Auf Gpsies sieht das super aus, es hat richtig Spaß gemacht, mir zu überlegen, wie ich möglichst viele Gassen, Tore und Kirchen der malerischen Altstadt berücksichtigen kann – der Lauf würde ein touristisches Highlight werden.

Kreuz und quer durch Arnstadt

Meine Kursteilnehmer an dem Tag sind fix unterwegs, das heißt, als ich nach Feierabend aus dem Hotel trete – Hotel Krone am Bahnhof, auf historischen Postkarten als „Erstes Haus am Platz“ gerühmt – wird es gerade erst dunkel. Garmine habe ich schon auf dem Fensterbrett nach Satelliten suchen lassen, ich brauche mich also nur in Bewegung zu setzen. Bis zum Stadtzentrum ist es leicht, auch der Neideckturm am Schloßplatz ist sehr leicht zu finden und schön angeleuchtet, so habe ich mir das vorgestellt. Es geht erst nach Süden, dann nach Westen aufs Riedtor zu – dort erkenne ich auf dem Display, dass ich dort später noch einmal von innen vorbei kommen werde. Aber noch bleibe ich außerhalb. Nach einer weiteren Schleife nach Süden halte ich mich parallel zur ehemaligen Stadtmauer, es geht ein wenig bergan, dann durch eine Villengegend abwärts zur Wilden Weiße, einen knappen Kilometer am Wasser entlang, dann wieder altstadteinwärts – und ab da wird es schwierig. Der Zickzackkurs durch die Altstadt sorgt dafür, dass der Wurm auf meinem winzigen Display einfach nicht mehr eindeutig zu erkennen ist, ständig beißt er sich in den Schwanz, kreuzt sich, ringelt sich um Kurven, so dass ich vollkommen die Orientierung verliere. Hui. Wäre ich in dem Moment etwas souveräner und abenteuerlustiger, würde ich die Uhr Uhr sein lassen und nur noch nach Gefühl laufen. Aber dazu bin ich manchmal zu zwanghaft – jetzt hatte ich mir schon diese 9km rausgesucht, jetzt will ich sie auch laufen – außerdem bin ich inzwischen zu desorientiert. Keine Ahnung, wo der Bahnhof ist. So kommt es, dass ich sehr häufig anhalten, das Licht an der Uhr einschalten muss, rausfinden, wo es jetzt langgeht, so dass beinahe die Schönheiten der Altstadt meiner Aufmerksamkeit entgehen. Nicht ganz, der Marktplatz ist sehr schön beleuchtet, ich nehme auch Liebfrauen-, Ober- und Bachkirche wahr und freue mich, als ich das Riedtor von der anderen Seite wieder erkenne. Die finstere Gasse an der Hohen Mauer ist zudem ziemlich abenteuerlich – aber wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich zu einem nicht geringen Anteil meines Kopfs mit der Uhr befasst.

Als ich wieder im Hotel bin, muss ich ein bisschen über mich lachen – tststs, was hänge ich auch dermaßen an der Technik? Nächstes Mal lasse ich das mit der Uhr vielleicht und laufe einfach nur so kreuz und quer durch die fremde Stadt. So lange, bis ich keine Lust mehr habe, dann frage ich nach dem Bahnhof. Vielleicht…

Advent, Advent

Es ist trüb, aber trocken. Sonntag, Stadtlauf. Es ist nicht so richtig toll für die Motivation, wenn der Liebste überhaupt nicht mehr laufen darf, sondern ganz im Gegenteil eine fiese OP vor sich hat. Es fällt mir schwerer, für den Sonntagslauf großzügig Zeit einzuplanen, wenn ich die gemeinsame Zeit eben nicht nur ums Laufen herum drapieren möchte.

Ich stöpsle mir die Kopfhörer in die Ohren und laufe los. Das glaubt mir keiner, dass ich Weihnachtslieder höre. Tu ich aber. Seit mein Wohnprojekt gescheitert ist, habe ich wieder mehr Zeit und fand, ich sollte endlich mal meinen alten Traum wahr machen und im Chor singen (hat dazu geführt, dass ich jetzt donnerstags auf jeden Fall morgens laufen muss, weil abends Probe ist). Tja, und wer im Oktober einem Chor beitritt, sollte sich nicht wundern, wenn dort Weihnachtslieder geprobt werden. Fürs Konzert stehen 22 Lieder auf dem Plan – und nicht nur das klassische einheimische Liedgut, für das ich aus Kindertagen immerhin noch (fast) die ganzen Texte und die Melodiestimmen drauf habe. Mein neuer Chor singt auch englisch, französisch, lateinisch und schwedisch, und Chorsätze gehen auch ein bisschen anders als das, was in den gängigen Liederbüchern steht. Das will geübt werden. Tja, und bis ich das alles kann, gibt’s eben beim Laufen die Aufnahme vom Konzert aus dem letzten Jahr auf die Ohren.

Ich laufe durch Schöneberg, Richtung Gasometerpark, dann über den Bahnhofsvorplatz vom Südkreuz und weiter Richtung Süden, Richtung Schöneberger Südgelände. Ich bleibe außen auf dem Rad- und Fußweg, der Wind kommt von vorn. Ich versuche, ganz besonders auf die Sopranstimmen zu achten, gelegentlich probiere ich mitzusingen, gebe ich aber schnell wieder auf, dazu reicht die Puste nicht. Blick auf die Uhr – blöd, leider nicht so viel Zeit, da hätte ich früher aufstehen müssen. Ich streiche den Insulaner vom inneren Plan und laufe am Priesterweg in den Südgeländepark. Das ist quasi schon der Heimweg. Manche Lieder klingen so schön, wenn ich da nicht selber mitsinge, werde ich ganz gerührt. Das Parkgelände ist herbstlich kahl und nass, die Graffiti an den dafür vorgesehenen Mauern der einzige Farbfleck. Einige sind richtig toll. Über die Treppe am Nordende verlasse ich den Park, laufe Richtung Westen und kreuze die Autobahn auf dem Fußgängersteg hinter Möbel Kraft. Kurz danach wiederholt sich der „Gummibaum“ – ein Lied von Maybebop, in dem ein Mensch mit Migrationshintergrund die Weihnachtssitten der Einheimischen unter die Lupe bzw. auf die Schippe nimmt. Das ist ziemlich schwer zu singen. Am Rathaus Schöneberg ist Flohmarkt, ich laufe außen rum und nehme dann den direkten Weg Richtung Norden. Ich denke dran, dass wir heute Nachmittag mit einer Freundin zum Plätzchen backen verabredet sind – bei mir. Das ist gut, denn eine relativ neu bezogene Wohnung muss schließlich durch Geselligkeiten „eingewohnt“ werden. Kurz vor dem Viktoria-Luise-Platz, als zum zweiten Mal „Oh Du Fröhliche“ erklingt, frage ich mich, ob ich womöglich an Weihnachten nur noch Punk hören mag. Aber bis dahin ist es ja noch eine Weile, da werden mich die Weihnachtslieder bestimmt noch auf dem ein oder anderen Lauf begleiten. Einen frohen ersten Advent allerseits!

Laufen unterwegs – Frühling in Winterthur

Kurz vor Abreise hat Knopf_13 mir aus einer großen Misere geholfen. Weil das Garmin-Plugin für gpsies.com nicht mehr geht, und es mir nicht geglückt ist, mit diesem doofen Garmin Connect Strecken auf die Garmine zu schubsen – immer und immer wieder Fehler bei der Synchronisation – war ich schon ziemlich verzweifelt: eine nahende Reise und keine schicken Strecken auf der Uhr. Ja, ja, vielleicht sollte ich viel spontaner sein, aber echt mal, mit dieser Wurmnavigation auf der Uhr renne ich viel unbeschwerter in unbekannten Wäldern rum. Jedenfalls hat Knopf_13 gewusst, dass es mit dem guten alten Trainingscenter noch geht. Ich also die Uhr präpariert, nach Zürich geflogen, sofort eine Bahn nach Winterthur erwischt und schon gegen elf im Hotel eingecheckt. Super, da komme ich ja früh los. Musste dann aber doch erst noch eine Kleinigkeit zu essen jagen und ein Nickerchen machen, das mache ich sonst nie.

Um halb zwei geht es endlich los, Plan ist es, vom Bahnhof aus nach Süden bis zur Töss, dann durchs Tösstal bis Sennhof und in einem großen Bogen um den Eschenberg zurück Richtung Winterthur zu laufen. Schon der Weg aus der Stadt ist unglaublich. Was der Frühling hier treibt, ist mehr als üppig. Bäume und Büsche blühen wie verrückt, in den Mischwäldern ringsum mischen die jungen quietschgrünen Buchenblätter die dunklen Tannen so richtig auf, dazu Sonne, kurze Laufklamotten und etwas, woran ich gar nicht mehr gedacht hatte: Mittagshitze! Stimmt ja, viele versuchen in der warmen Jahreszeit lieber früh oder später zu laufen. Ich genieße die Sonne auf der Haut, bekomme aber schon nach einem Kilometer Durst. Das muss mental sein. Macht aber nix, denn am Straßenrand plätschert Wasser aus einem Rohr in ein kleines Becken. Super Service!

Der Weg verlässt die Straße und folgt der Töss stromauf. Alle paar Meter gibt es flache Staustufen, höchstens dreißig Zentimeter hoch, aber es geht stetig sanft bergauf. Der Fluß plätschert, die Winterthurer Bevölkerung erholt sich spazierend, wandernd oder radelnd – wobei der Unterschied zwischen den ersten beiden Aktivitäten deutlich durch die Wahl des Outfits demonstriert wird. An allen mit Steinen befestigten Feuerstellen, werden Feuerchen gemacht, zum Teil mitgebrachter Proviant an Stecken darüber gehalten. Es ist ja dermaßen schön hier! Eine überdachte Brücke sieht aus wie in „Die Brücken am Fluß“. Sie hat auf jeder Seite zwei Fenster, an die von innen Trittleitern angebracht sind, so dass die Touristin hochkletterten und auf den Fluss schauen kann. Mach ich natürlich. Einmal muss ich auch unbedingt ans Ufer hinunter steigen und ins Wasser fassen, es fühlt sich großartig an. Im Gras gibt es leuchtende Löwenzahnsonnen und neongrüne kleine Blumen, von denen ich nicht weiß, wie sie heißen. Der Wald riecht warm nach Moos und stellenweise nach Bärlauch. Den halte ich übrigens für total überbewertetes Modegemüse.

Die Töss macht schöne Mäander, aber dennoch bin ich viel zu schnell in Sennhof, wo ich den Flußlauf verlasen soll. Es kommt mir ein bisschen langweilig vor, den Eschenberg einfach nur zu umrunden, wo es oben doch einen Aussichtsturm geben soll. Bei Googlemaps sah es vorher auch aus, als gäbe es so viele Wege auf und über diesen Berg, dass eine sich gar nicht verlaufen kann. Kurzentschlossen biege ich in einen Weg ein, der bergan führt.

Das Rauschen des Wassers hört auf, Vöglein zwitschern im Wald, und chillige Loungemusik erklingt. Hä? Die Töne kommen aus einer nach vorne hin offenen Wetterhütte, in der es sich drei männliche Jugendliche mit einer Shisha gemütlich gemacht haben. Die Schweizer Jugend mit augenscheinlichem Migrationshintergrund ist sehr höflich und spendiert mir ein freundliches Grüezi. Ich schnaufe bergauf, langsam, in kleinen Schritten, aber laufend. Ein Bächlein kommt mir entgegen, ich beschließe, dass das Wasser trinkbar ist (mindestens einmal…), finde es sehr köstlich und schwappe auch eine Handvoll über den Kopf.

An einer Wegabelung bin ich nicht sicher, in welche Richtung es wohl mehr bergauf und vor allem hoffentlich Richtung Aussichtsturm geht. Wanderwegweiser gibt’s keine, nur Wegbezeichnungen auf Holzschildern für die Waldwege, die mir natürlich gar nicht weiter helfen. Vielleicht links, da sieht es steiler aus. Plötzlich höre ich Gebimmel, laut, hoch und tief und vielstimmig. Sind das Kuhglocken? Hoffentlich komme ich bei den Kühen vorbei, das müssen viele sein. Ich frage ein Wandererpaar (Outfit!) nach dem Weg zum Aussichtsturm, und die Frau sagt, das sei aber weit. Der Mann sagt, so weit auch wieder nicht, und er weist mir die Richtung. Da vorne habe es ein Fescht, da geht es rechts hoch und dann in diese Richtung. Der Weg führt erst ein bisschen bergab, dann aus dem Wald hinaus und glücklicherweise an der Weide der lauten Kühe vorbei. Wunderbar, muss gleich mit dem Handy eine kleine Tonaufnahme machen, das klingt großartig!

Auf einer Anhöhe stehen Menschen mit dem Rücken zu mir, die dadurch logischerweise alle in die gleiche Richtung schauen. Ich muss unbedingt wissen, um was für ein Schauspiel es sich handelt, laufe direkt darauf zu und steige durch eine Absperrung aus Flatterband. Das war nicht so ganz korrekt, denn eigentlich kostet das da Eintritt, und der Eingang ist auf der anderen Seite. Aber eine Läuferin in kurzen Hosen ist ganz offensichtlich unsichtbar, denn alle verfolgen aufmerksam das Spektakel in der Mitte. Dort sind drei Kreise von vielleicht sieben Metern Durchmesser dick mit Sägemehl bedeckt. In der Mitte je zwei junge Männer, die über der langen eine kurze Hose aus Sackleinen tragen, an der sie sich gegenseitig packen und versuchen zu Boden zu ringen. Dieser Sport heißt Schwingen und ist ein Nationalsport. Ein kleines Mädchen sammelt „leere Flaschli“ in einen Kasten, was ich sehr niedlich finde. Ich schaue eine Weile zu und verlasse den Festplatz durch den Eingang.

Der Eschenbergturm ist 30 m hoch, eine Wendeltreppe führt über mehrere Plattformen nach oben. Alles wirkt sehr transparent und ein ganz bisschen ist es mir unheimlich. Auf der Plattform ist schwer was los, die Aussicht ist großartig, Schneeberge im Süden, ringsum der hell-dunkelgrüne  Wald, im Norden Winterthur. Ein Flugzeug, das gerade auf dem Zürcher Flughafen gestartet ist, wird aufmerksam beobachtet. Ist das Riad fragt einer? Nein, Emirates, sagt ein anderer, und die Umstehenden stimmen zu, ja genau, Emirates. Sind das hier Planespotters? Ich steige wieder hinab und laufe Richtung Stadt zurück. Jetzt geht es nur noch bergab, erstmal Waldautobahn, aber zum Glück zweigt ein netter Trimm-dich-Pfad ab, der heutzutage Vitaparcours heißt, und mich ganz in der Nähe meines Ausgangspunkts wieder ausspuckt.

Am Bahnhof gibt’s ein fettes Belohnungseis, wobei das ein völlig irreführender Ausdruck ist, denn eigentlich war der Lauf ja schon eine Riesenbelohnung, wofür auch immer.

Laufgruppe

Als wir letztes Mal im November die Marathonstaffeln fürs Tempelhofer Feld nicht recht voll bekamen, war ich durchs ganze Haus geturnt und hatte Laufstrecken angeboten wie sauer Bier. „Möchtest Du vielleicht 5km haben? Ich hätte hier noch welche übrig…“ Sie wurden mir nicht gerade aus der Hand gerissen, aber mit einer Kollegin kam ich ins Gespräch. Sie würde ja gerne laufen, aber ihr Mann sei ihr zu schnell – auch wenn er sich bemüht, wegen ihr langsam zu laufen, macht es ihr so nicht wirklich Spaß. In dem Moment wurde die Idee der Laufgruppe geboren. Ich trug sie unserer Staffelorganisatorin vor, die sofort begeistert war, und für die Tiergartenstaffel endlich wieder einmal drei Teams anmeldete. Wer bei der Laufgruppe mitmacht, bekommt einen Startplatz garantiert. In der Zwischenzeit habe ich als notorische Gebrauchsanweisungsleserin noch ein Seminar besucht, das Menschen in die Lage versetzen soll, Lauf-Instructor zu sein (Kurzzusammenfassung: es hat viel Spaß gemacht, ein paar theoretische und praktische Erkenntnisse gebracht – aber nicht sooo viele neue, da ich „die Gebrauchsanweisung“ seit Jahren schon studiere. Nach dieser Veranstaltung Laufkurse oder gar Personal Training für Geld anzubieten, fände ich ein wenig vermessen, aber mit dem vorher vorhandenen und hier vermittelten Rüstzeug völlig privat, Anfängerinnen und Anfängern zu 5km zu verhelfen, traue ich mir ohne weiteres zu).

Letzte Woche bespammte ich die gesamte Firma auf dem sparsam zu verwendenden Verteiler „Alle“ mit der Einladung zu einer Vorbesprechung für die EinsteigerInnenlaufgruppe. Ich beobachtete den Status der Zu- und Absagen quasi stündlich. Am Freitagnachmittag stand da eine Zusage und an die dreißig Absagen. Ich bereitete mich vor: Ziele (vor allem Spaß am gemeinsamen Laufen), Plan (5km in 12 Wochen), Trainingseinheiten (mit Lauf-ABC & Co.), Vorschläge fürs Laufrevier, Fragen zur Ausrüstung etc. Gestern kam eine zweite Zusage, dann noch eine, dann stand ein Kollege im Zimmer, der lieber mit seiner Freundin in und um den Weißensee laufen möchte, aber dennoch die Vorbesprechung mitmachen möchte. Gerne! Einer sagte zu, der ganz und gar kein Anfänger ist, ein anderer alter Laufhase bot mir an, die Vertretung zu übernehmen, wenn ich mal auf Dienstreise bin, und einige Kollegen fragten nach, wie es ums allgemeine Interesse stehe, auch wenn sie selbst aus Gründen nicht könnten oder wollten.

Und dann saßen tatsächlich elf Leute im extra gebuchten Besprechungsraum – ui! Darunter waren auch ein paar erfahrene Läufer, die sich einfach mal anschauen wollten, was das wird. Es wurde eine lebendige Runde mit vielen Fragen und viel Lachen, und am Ende versicherten die meisten Neulinge, sie würden es zumindest versuchen wollen – nächste Woche geht es los, da machen wir dann zum ersten Mal den Volkspark Wilmersdorf unsicher. Ich bin total gespannt und freu mich schon!